Orgeln: Kuriositäten und Weltrekorde


Hier geht es nicht nur um die größten Orgeln, sondern auch um andere Highlights und Kuriositäten aus der Welt des Orgelbaus wie z.B. Luftkissen- und Wendeorgeln, Freiluftorgeln, verrückte Gehäusekonstruktionen, die größten und lautesten Orgelregister und anderes mehr – viel Spaß damit!

Diese Informationen habe ich zusammengetragen, um einerseits die Vielfalt aber auch einige Skurrilitäten im Orgelbau zu zeigen und andererseits die immer wieder auftauchenden Fragen, Gerüchte und Spitzfindigteiten zu klären (größte Orgel, größte spielbare Orgel, größte Kirchenorgel, größte Domorgel, größte mechanische Orgel, größte an einem Stück erbaute Orgel, usw. ...) Der Vollständigkeit halber sei noch gesagt, dass die Größe oder andere Superlative einer Orgel natürlich noch nichts über deren Qualität aussagen (das wurde in einigen wenigen Internet-Foren fälschlicherweise so aufgefasst. Weitere Informationen dazu in den Anmerkungen :-)

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Die ältesten Orgeln der Welt

Wie schon bei der Beurteilung der Größe einer Orgel streiten sich hier die Gelehrten, denn nicht immer können Orgeln (die ja bekanntlich oft verändert und umgebaut werden) sicher auf ihren Ursprung hin datiert werden, und es ist nicht immer möglich, den genauen Anteil und Wert des Originalmaterials zu bestimmen, weil nicht alle Umbauten dokumentiert wurden.

Allgemein gilt die Orgel in der Kirche Notre-Dame-de-Valère (Burgkirche) in Sion (Sitten, Schweiz) als älteste spielbare Orgel der Welt.

Ihre ältesten Teile stammen aus dem Jahr 1435
(+/- 1 Jahr), allerdings handelt es sich dabei neben einem Großteils des Gehäuses um noch 180 erhaltene Pfeifen aus der Zeit der Gotik.

Sowohl die hinter dem Prospekt sichtbaren hellbeigen Pfeifen des Subbass 16' als auch das zugehörige Pedal sind spätere Ergänzungen.
Seit einigen Jahren spricht man von einer noch älteren Orgel in Ostönnen, St. Andreas (Deutschland, Westfalen), deren Grundsubstanz (Windladen, Pfeifenwerk) auf 1425 bis 1430 datiert wird und von der auch noch etwa die Hälfte der Originalpfeifen aus dieser Zeit erhalten sind.

Allerdings stammen Gehäuse und Traktur aus einem Umbau während der Barockzeit.

Somit ist die die Ostönner Orgel akustisch älter, die Sioner Orgel optisch.

Die nächstälteste weitgehend komplett erhaltene Orgel aus der Gotik steht in der Kirche in Rysum (Deutschland) und stammt aus dem Jahr 1457. Besonders im deutsch-holländischen (Brabant) aber auch im französischen und Mittelmeerraum gibt es noch Instrumente, die Pfeifenreihen aus dem 16. Jahrhundert oder früher enthalten, die den Umbauwahn der folgenden Jahrhunderte einigermaßen unbeschadet überstanden haben und authentisch restauriert werden konnten. Einige Beispiele:

      •   D, Lübeck, St. Jakobi, Chororgel (1467)
      •   NL, Groningen, Martinikerk (1482)
      •   D, Kiedrich, St. Valentin und Dionysius (1500)
      •   F, Lorris-en-Gâtinais, Eglise du Gros Bourg (1501)
      •   NL, Alkmaar, Sint Laurenskerk, Chororgel (1511)
      •   NL, Breda, Grote Kerk (1534)
      •   D, Lüneburg, St. Johannis (1553)
      •   DK, Roskilde, Dom (1554)
      •   A, Innsbruck, Hofkirche (1558)
      •   P, Evora, Catedral (1562)
      •   NL, Leiden, Hooglandse Kerk (1565)
      •   D, Norden, St. Ludgeri (1567)




Immer an der frischen Luft: Freiluftorgeln

Das ist kein Witz – es gibt tatsächlich Pfeifenorgeln, die in freier Natur stehen (natürlich unter einem Dach / Pavillon), wo sie aber dennoch Wind und Wetter trotzen müssen. Es ist daher eine besondere Herausforderung, solche Orgeln zu bauen. Die beiden größten dieser Spezies sind:

Die Orgel im Spreckels Pavillon, Balboa Park, San Diego (USA) wurde 1915 von der Firma Austin (USA, Hartford) erbaut und bis heute mehrfach erweitert (zuletzt 2003) auf jetzt 73 Ranks (Pfeifenreihen) / 57 Register auf 4 Manualen. Insgesamt 4.518 Pfeifen heizen den Zuhörern gehörig ein.

Dieses Instrument begeisterte nicht nur zu seiner Erbauungszeit tausende von Menschen, auch heute noch ziehen San Diegos Freiluft-Orgelkonzerte massenweise Zuhörer an. Die Orgel wird außerdem gerne von Schulklassen besucht, die sich dort eine Dröhnung verpassen lassen können und nebenbei einen Einblick in die Orgelwelt bekommen.

Besonders bemerkenswert ist die Contra-Bombarde 32' im Pedal, die auf enorm hohem Winddruck steht und der tongewaltigen Orgel das entsprechende Fundament gibt.


Einige Jahre später, nämlich 1931, wurde von Oscar Walcker (D, Ludwigsburg) die so genannte "Heldenorgel" in der Festung Geroldseck in Kufstein (Österreich) erbaut (diese etwas unglückliche Bezeichnung weist darauf hin, dass sie zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gebaut wurde). Inzwischen deutet man die Orgel als "Mahnmal für den Frieden" und das Orgelspiel soll dem Gedenken an alle durch die beiden Weltkriege Umgekommenen dienen.

Die Orgel wurde 1971-1986 renoviert und bei dieser Gelegenheit auf ihre heutige Größe von 82 Ranks / 45 Registern auf 4 Manualen erweitert. Zwar liegt sie damit gemessen an "Ranks" größenmäßig vor der Orgel in San Diego, ihre Pfeifenzahl liegt mit 4.307 jedoch leicht darunter.

Auch die "Heldenorgel" verfügt über eine spezielle 32'-Bombarde im Pedal und jede Menge weiterer Hochdruck-Register, die ihr auch in 13 km Entfernung noch Gehör verschaffen.

Der Spieltisch befindet sich etwa 100 Meter von der Orgel entfernt in einem Extra-Kabäuschen (im Bild unten links zu sehen). Der Organist kann dabei über Lautsprecher oder Kopfhörer sein Spiel ohne Zeitverzögerung kontrollieren.




Die Open-Air-Orgel im LKW

"Wenn die Leute nicht zur Orgel kommen, dann muss die Orgel zu den Leuten" – so etwas muss sich die Orgelbaufirma Hoffmann aus Ostheim in der Rhön (Deutschland) gedacht haben, als sie 1998 eine fahrbare Orgel respektabler Größe (38 Ranks, 29 Register, 2 Manuale) in einen LKW einbaute.

Damit die Orgel das ständige Herumgefahrenwerden unbeschadet übersteht, verfügt sie über eine spezielle Luftfederung und Niveauregulierung. Außerdem musste die Orgel gegen Insekten geschützt werden (tote Fliegen in den Pfeifen führen offenbar nicht zu dem Klang, den man sich wünscht ;-)

Die Orgel verfügt über elektrische Traktur, so dass der Spieltisch über ein spezielles Kabel mit der Orgel verbunden und beliebig im Umkreis aufgestellt werden kann.




Die einzige Wendeorgel der Welt

Die Aufgabe lautete, eine Orgel zu bauen, auf der man die Musik aller Stilepochen authentisch darstellen könne. Da dies – allein schon wegen der unterschiedlichen Stimmungssysteme – mit einer einzigen Orgel nicht zu bewerkstelligen ist, hat Marc Garnier (Frankreich) 1987-1991 in der Metropolitan Art Space Concert Hall in Tokyo (Japan) drei Orgeln mit insgesamt

184 Ranks / 123 Registern (+ 2 Ext. + 1 Transm.) und mehr als 9.000 Pfeifen in einem dreiteiligen Gehäuse untergebracht, bei dem sich – je nachdem, welche Orgel gerade benötigt wird – jeweils die entsprechende Seite mit ihrem eigenen Spieltisch nach vorne drehen lässt. Dabei müssen natürlich alle Pfeifen, die Windversorgung, die Traktur usw. ab- und wieder entsprechend angekoppelt werden – ein höchst komplizierter Vorgang und eine technische Meisterleistung, die weltweit einmalig ist!

Die linke Seite zeigt den klassischen Prospekt der Orgel, die die Renaissance- und Barockorgel an einem gemeinsamen Spieltisch vereinigt, die rechte Seite die moderne. Nur die großen 32'-Register werden gemeinsam genutzt und stehen fest installiert hinter den drei Drehbühnen der Orgel.

Disposition der französisch-modernen Hauptorgel (89 Ranks / 63 Reg. / 5 Man.)
Disposition der deutschen Barockorgel (52 Ranks / 34 Reg. / 3 Man.)
Disposition der holländischen Renaissanceorgel (43 Ranks / 29 Reg. / 3 Man.)





Schwebende Orgeln

Nein, hiermit sind keine klanglichen Schwebungen à la "Vox coelestis" oder gar verstimmte Orgeln gemeint. Man sollte es kaum für möglich halten, aber es gibt Orgeln, die buchstäblich schweben, um so innerhalb der Kirche oder des Konzertsaals bewegt werden zu können! Das ganze funktioniert im Prinzip wie ein Luftkissenboot: Unterhalb der Orgel werden Gummi- behälter mittels Kompressoren so weit aufgepumpt, dass sie die 'zig Tonnen schwere Orgel gleichmäßig und lautlos anheben, bis sie einen Bruchteil eines Millimeters über dem Boden schwebt, um dann von ferngesteuerten Traktoren an jeden beliebigen Platz der Kirche oder Bühne bewegt zu werden, wo sie dann wieder abgesetzt wird.

Es gibt weltweit vier schwebende Luftkissen-Orgeln:

•   Australien, Adelaide, Festival Center
    78 Ranks / 50 Register / 3 Manuale, Gewicht: 11 Tonnen
    1978 erbaut von Rieger  (Foto ganz links)

•   Schweiz, Neuchâtel, Collégiale
    53 Ranks / 38 Register / 4 Manuale, Gewicht: 14 Tonnen
    1996 erbaut von Saint-Martin  (Foto links, Mitte)

•   Syrien, Damaskus, Nationaltheater
    54 Ranks / 40 Register / 4 Manuale, Gewicht: 18 Tonnen
    2000 erbaut von Laukhuff  (Foto rechts, Mitte)

•   Deutschland, Alpirsbach, Klosterkirche
    43 Ranks / 34 Register / 3 Manuale, Gewicht: 16,5 Tonnen
    2008 erbaut von Winterhalter  (Foto ganz rechts)




Verrückte Orgelprospekte

Bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts begann man mit der Konstruktion waghalsiger Orgelgehäuse und -Prospekte. Die wohl bis auf den heutigen Tag Aufsehen erregendste Konstruktion, bei die Orgel um die Kirchenfenster herumgebaut und mit einem freistehendem Spieltisch unter einem Glockenspiel in Weintraubenform versehen wurde, schuf 1713-1750 Joseph Gabler in der Basilika Weingarten (Deutschland).



Hierbei kam Gabler an die Grenze des technisch Machbaren und setzte Maßstäbe bis heute. Erst durch den Einsatz moderner Elektrik ist man noch flexibler bei der Prospektgestaltung geworden. Dennoch beschränkt man sich dabei meist auf die Überbrückung großer Entfernungen und Zusammenschaltung mehrerer Teilorgeln wie z.B. im Passauer Dom (Deutschland).

Nachdem man die nachfolgenden Phasen der Romantik mit ihren meist neogotischen Prospekten hinter sich gelassen hatte, begann man Anfang des 20. Jahrhunderts, Freipfeifen- prospekte zu bauen, bei denen die vordere Pfeifenreihe nur noch geometrischen Formen folgte (oft enthielt dieser Prospekt nicht eine einzige klingende Pfeife). In den 50er- bis 70er-Jahren wurden viele Orgeln sogar ganz ohne Gehäuse gebaut: Die Pfeifen standen (mit Ausnahme der Pfeifen des Schwellwerks) frei auf ihren Windladen im Raum – einige Beispiele:

D, Frankfurt, Kaiserdom
(Klais, 1957)
USA, Colorado Springs, Air Force Academy Cadet Chapel
(Möller & Holtkamp, 1962)
USA, San Francisco, St. Marys R.C. Cathedral
(Ruffatti, 1971)
CAN, Toronto, St. Clement's A.
(Casavant, 1928-2000)

In neuerer Zeit werden Orgelprospekte oft nach strengen geometrischen Formen designed oder so an den Raum angepasst, dass sie gar nicht mehr als eigenständiges Instrument wahrgenommen werden. Oder sie werden derart futuristisch gebaut, dass sie auch nicht mehr nach Orgel aussehen. Hinter den folgenden Beispielen verbergen sich jeweils ganz normale Orgeln:

D, München, Herz-Jesu
(Woehl, 2004)
USA, Madison, Ouverture Hall
(Klais, 2005)
E, Santa Cruz, Auditorio de Tenerife
(Blancafort, 2005)


F, Evreux, Cathédrale

(Quoirin, 2006)

Links unten im Bild die wahrscheinlich verrückteste Orgelfassade der Welt in einem Konzertsaal mit ebenso verrücktem Design, daneben eine "Raumschiff"-Orgel, die als Rondell an die Decke gehängt wurde und in der Mitte eine "quadratisch-praktisch-gute" Orgel (nur die spanischen Trompeten gucken vorne heraus). Rechts daneben eine Orgel aus Glas und Stahl und ganz rechts schließlich eine buchstäblich Hand-liche Orgel:

USA, Los Angeles, Disney Concert Hall
(Glatter-Götz & Rosales, 2004)
USA, Portland,
Lewis and Clark College

(Casavant, 1971)
D, Köln, Jesuitenkirche St. Peter
(Willi Peter, 1971-2006)
D, Duisburg-Rheinhausen, Friedenskirche
(Seifert, 1995)
F, Alpe d'Huez, Notre-Dame
(Kleuker, 1978)

Wie schon oben bei St. Peter in Köln zu sehen, sind die horizontal aus dem Orgelprospekt herausragenden Spanischen Trompeten immer ein beliebtes Design-Element. Besondes in neueren nordamerikanischen Orgeln dürfen Spanische Trompeten nicht fehlen: Oft sind sie überblasen und separat am Prospekt der Hauptorgel angeordnet, aber man platziert sie auch gerne in einer sog. "Antiphonal Organ" am anderen Ende der Kirche (oft besteht diese "Antiphonal Organ" nur aus diesem einen Register).

In der Casavant-Orgel der St. Clement's Anglican Church in Toronto (Kanada) (siehe Foto rechts) gibt es ein Kreuz, das einem den Marsch bläst – ich weiß nicht, was sich der Designer dabei gedacht hat, aber ein Kreuz, an dem Jesus nicht mehr hängt (weil auferstanden), dafür aber eine horizontale Hochdruck-Trompete, die einen anbrüllt, finde ich nicht wirklich gelungen und auch didaktisch zweifelhaft... (vielleicht wird sie ja nur zu speziellen Zwecken eingesetzt, z.B. bei einer Lesung über das Jüngste Gericht, die letzte Posaune der Offenbarung oder den Zusammenbruch von Jericho – hierfür könnte es zur Not noch passen).




Rekordverdächtige Orgelregister


Echte 64'-Register:


Die größte Pfeife eines offenen 64' ist mehr als 20 Meter lang und erzeugt eine Frequenz von etwa 8 Hz! Viele große Orgeln besitzen zwar am Spieltisch und in der Disposition einen 64', allerdings ist dieser – mit Ausnahme der hier genannten Orgeln – immer ein akustischer "Fake", also eine Kombination aus bestehendem 32' + Quint-Auszug 21 1/3' (die zusammen als Differenzton einen schwachen 64'-Eindruck erzeugen).

Weltweit gibt es nur zwei Orgeln mit echten 64'-Registern, die tatsächlich komplett bis zum Sub-Subkontra-C ausgebaut sind:
      •   AUS, Sydney, Town Hall: Contra-Trombone 64' (volle Länge!)
      •   USA, Atlantic City, Convention Hall: Diaphone-Dulzian 64' (volle Länge! – Fotos und Infos unter ACCHOS PDF).

Es folgen zwei Hörbeispiele dieser Boliden (auch wenn das kein PC-Lautsprecher wirklich wiedergeben kann ;-))

  Sydney: Contra-Trombone 64' (Quelle: www.organstops.org)

  Atlantic City: Diaphone-Dulzian 64' (mit freundlicher Genehmigung von www.boardwalkpipes.com/)
          von der CD "Timothy Hoag: The Main Auditorium Organ" (ACCHOS 1998), die dort bestellt werden kann.

Es gibt noch wenige Orgeln, die immerhin teilweise ausgebaute 64'-Register besitzen:
      •   USA, Salt Lake City, LDS Conference Center: Gamba 64' und Trombone 64' (je 4 Pfeifen, ab Gis)
      •   USA, Philadelphia, Kimmel Center for the Performing Arts: Contre Bombarde 64' (3 Pfeifen, ab A)
      •   USA, Wichita Falls, First United Methodist Church: Ophicleide Héroique 64' (3 Pfeifen, ab A)
      •   USA, Houston, St. John the Divine: Bombarde Ravalement 64' (3 Pfeifen, ab A)


Echte 42 2/3'-Register:


Die weltweit einzige voll ausgebaute Sub-Subkontra-Quinte findet man in USA, Atlantic City, Convention Hall: Diaphone-Dulzian 42 2/3' (Ext. aus 64'). Damit ist die Orgel der Convention Hall als einzige in der Lage, einen akustischen 128' zu erzeugen (64' + 42 2/3' = 4 Hz Differenzton auf C).

Die Orgel der Cadet Chapel in West Point (USA) besitzt dem Namen nach zwei 42 2/3'-Register: Bourdon 42 2/3' und Dulzian 42 2/3', aber sie beginnen erst bei FFF (Quinte = CCC), so dass ihre effektive Länge "nur" 32' beträgt (Auszüge aus vorhandenen 32'-Registern).


AUS, Sydney, Town Hall






D, Passau, Dom St. Stephan

Schwerste Pfeifen der Welt:


Leider sind Informationen über das Gewicht einzelner Pfeifen sehr rar und daher ist es schwierig, eine Rangfolge aufzustellen.
Mit ziemlicher Sicherheit wird die Rangliste der schwersten Orgelpfeifen angeführt von:
      •   USA, Atlantic City, Convention Hall: Diaphone-Dulzian 64' – 1.675 kg
      •   AUS, Sydney, Town Hall: Contra-Trombone 64' – (genaues Gewicht unbekannt)
      •   GB, Liverpool, Anglican Cathedral: Open Wood 32' – 1.117 kg (Wandstärke: 7,6 cm!)
      •   USA, Atlantic City, Convention Hall: Diapason 32' – 1.100 kg
Zum Vergleich: Das Subkontra-C des Prinzipal 32' der Passauer Domorgel wiegt "nur" 306 kg.


Größte, älteste und schwerste Pfeife der Welt:


Den Weltrekord in dieser Kombination hält das Subkontra-C des offenen Prinzipal 32' der Hofkirche St. Leodegar in Luzern (Schweiz): Die Pfeife wurde um 1650 von Johann Geissler gebaut und ist bis heute erhalten. Sie ist über 10 Meter lang, hat einen Durchmesser von 57 cm und wiegt 383 kg. Eine weitere Besonderheit, die sie meines Wissens nur mit der Orgel der Sydney Town Hall (s.o.) teilt: Dieses Monstrum steht direkt über dem Spieltisch!

CH, Luzern, Hofkirche St. Leodegar


Die meisten 32'-Register:


32'-Register gehören zur Grundausstattung jeder großen Orgel – allerdings begnügt man sich dabei aufgrund ihrer Größe und Kosten meist mit 2-3 solcher Register. Es gibt aber auch Orgeln mit erheblich mehr 32'-Registern (hier sind nur echte 32'-er berücksichtigt, die komplett bis zum Subkontra-C ausgebaut sind, keine akustisch erzeugten oder digitalen!):
      •   9 x 32'  in  USA, Atlantic City, Convention Hall
      •   8 x 32'  in  USA, Los Angeles, First Congregational Church
      •   7 x 32'  in  USA, Philadelphia, Macy's ("Wanamaker") Store
      •   7 x 32'  in  USA, West Point, Cadet Chapel
      •   7 x 32'  in  USA, Salt Lake City, LDS Conference Center
      •   6 x 32'  in  USA, Washington, National Shrine of the Immaculate Conception
      •   6 x 32'  in  GB, Liverpool, Anglican Cathedral
      •   6 x 32'  in  AUS, Melbourne, Town Hall
      •   6 x 32'  in  USA, Pasadena, Lake Ave Congregational Church
      •   5 x 32'  in  USA, New York, St. Bartholomew's Episcopal Church
      •   5 x 32'  in  USA, Salt Lake City, Mormon Tabernacle
      •   5 x 32'  in  GB, London, Royal Albert Hall
      •   5 x 32'  in  AUS, Sydney, Town Hall
      •   5 x 32'  in  USA, Kenneth Square, Longwood Gardens
      •   5 x 32'  in  USA, Portland, City Hall Merrill Auditorium


USA, Philadelphia,
Macy's ("Wanamaker") Store



Die lautesten Orgelregister:


Laut Guinness-Buch der Rekorde besitzt die Orgel in der Convention Hall, Atlantic City (USA) das lauteste Orgelregister der Welt, und zwar das Grand Ophicleide 16' im Pedal, das auf 100" (ca. 2.500 mm) Winddruck steht – das ist etwa das 30-fache dessen, was für normale Orgelregister verwendet wird (selbst "Hochdruckregister" stehen oft "nur" auf 10-12" = 250-300 mm Winddruck)!

Dieses Register ist auf der CD von Timothy Hoag: "The Main Auditorium Organ" (ACCHOS 1998) zu hören – mit freundlicher Genehmigung von www.boardwalkpipes.com/ durfte ich dieses Klangbeispiel auch auf dieser Seite einstellen:

  Atlantic City: 100" Tuba Imperial und Grand Ophicleide

Einige behaupten, dass die State Trumpet 8' der Orgel der Cathedral of St. John the Divine, New York (USA), die auf 50" (ca. 1.250 mm) Winddruck steht, noch lauter sei, andere behaupten, die Tuba Magna 8' der Orgel der Anglican Cathedral, Liverpool (GB), die ebenfalls auf 50" Winddruck steht, sei das lauteste Orgelregister der Welt... Sei's drum – fest steht in jedem Fall, dass jedes dieser Register einzeln locker die Lautstärke einer kompletten Großorgel erreicht.


Höchster Winddruck:

USA, New York, St. John the Divine

Der höchste Winddruck, der jemals im Orgelbau verwendet wurde, beträgt 100" (ca. 2.500 mm). Wen wundert's, dass auch dieser Rekord (verbunden mit der stärksten jemals für eine Orgel gebauten Windversorgung) an die Orgel in Atlantic City geht?
Hier sind die Orgelregister mit den weltweit höchsten Winddrücken:

      •  100" (2.500 mm)  in  USA, Atlantic City, Convention Hall: Grand Ophicleide 16' / 8', Tuba Imperial 8', Tuba Maxima 8' / 4' und
                                               Trumpet Mirabilis 16' / 8' / 4'
      •    50" (1.250 mm)  in  USA, Atlantic City, Convention Hall: Diaphone 32' / 16' / 8' / 4', Diaphone Phonon 16' / 10 2/3', Bombard 32' / 16' / 8' / 4',
                                               Major Posaune 16' / 8', Posaune 16' / 8' / 4', Tuba Magna 16' / 8' / 5 1/3' / 4', Harmonic Tuba 8' / 4', Ophicleide 8', Bugle 8' und
                                               Major Clarion 4'
      •    50" (1.250 mm)  in  GB, Liverpool, Anglican Cathedral: Tuba Magna 8' und Trompette Militaire 8'
      •    50" (1.250 mm)  in  USA, New York, Cathedral of St. John the Divine: State Trumpet 8'
      •    40" (1.000 mm)  in  I, Bologna, S. Giovanni Bosco: Gran Tuba 8' und 4'
      •    30"    (750 mm)  in  GB, Liverpool, Anglican Cathedral: Bombarde 32' / 16' / 8' / 4' und Tuba 16' / 8' / 4'
      •    30"    (750 mm)  in  USA, Jackson, First Baptist Church: Tuba mirabilis 8'
      •    30"    (750 mm)  in  GB, Liverpool, St. George's Hall: Tuba mirabilis 8'
      •    30"    (750 mm)  in  GB, London, St. Paul's Cathedral: Double Tuba 16', Tuba 8' und Trompette militaire 8'
      •    28"    (700 mm)  in  D, Köln, Dom: Tuba episcopalis 8' und Tuba capitularis 8' (wurden im April 2006 an der Westwand installiert)


D, Köln, Dom (Tubas)
In Atlantic City stehen übrigens komplette Teilwerke (Divisions) der Orgel auf Winddrücken von 20"-35". Fast die gesamte Orgel steht auf 15", was immer noch etwa das fünffache des Winddrucks "normaler" Orgeln ist!

Solche Winddrücke erfordern natürlich starke Gebläsemotoren. Auf der Demo-CD von Timothy Hoag: "The Main Auditorium Organ" (ACCHOS 1998) wurde das Hochfahren des Gebläses (Motorengesamtleistung: 1.000 PS!) aufgenommen – mit freundlicher Genehmigung von www.boardwalkpipes.com/ durfte ich es auch auf dieser Seite einstellen:

  Atlantic City: Start des 100", 3-30" und 50"-Hochdruckgebläses


Größte Mixtur:


Die vielchörigste Mixtur der Welt ist die 49-fache "La Force" der Orgel in der Basilika in Weingarten (D) – sie erklingt jedoch nur auf einer einzigen Taste (dem tiefen C im Pedal) und kann eigentlich nicht als echtes Orgelregister gewertet werden.

Weitere vielchörige Mixturen (> 12-fach) befinden sich in:
      •   E, Santanyí (Mallorca), Sant Andreu: Plé 22-25 fach
      •   D, Amorbach, Abteikirche: Grobmixtur 12-16 fach
      •   F, Bordeaux, Sainte-Croix: Cymbale 13-fach

Da es viele Orgeln mit bis zu 12-fachen Mixturen gibt, werden sie hier nicht extra aufgelistet.

In der Gotik – etwa im 14./15. Jahrhundert – waren so genannte "Blockwerke" (prinzipalische Mixturen mit bis zu 50 Ranks) üblich, da man Grundstimmen, Obertöne (Aliquote) und Mixturen noch nicht getrennt spielbar gemacht hatte.


D, Amorbach, Abteikirche

Seltsame Aliquote (Obertöne):

Normale Aliquote sind Oktaven, Quinten, Terzen, Septimen und manchmal auch Nonen. Einige Orgeln verfügen auch über Quarten, Sexten,
Dur-Septimen, Mollterzen usw. wie z.B.
      •   USA, Atlantic City, Convention Hall: Eleventh, 32/11', 16/11', 8/11'
      •   USA, San Francisco, Davies Symphony Hall: Aliquot 2-fach, 8/11' + 8/13'
      •   D, Würzburg, Dom St. Kilian: [Dur-]Septime 1 1/15'
      •   D, Nürnberg, St. Sebald: Oberton 2-fach, 8/11' + 8/13'
      •   D, Altötting, St. Anna Basilika (Hauptorgel): Undezime 8/11' und Tredezime 8/13'
      •   D, Köln, St. Peter: Elfte 8/11' und Tredezime 8/13'
      •   D, Landshut, Dominikanerkirche: Undezime 8/11' und Tredezime 8/13'
      •   D, Nördlingen, St. Georg: Oberton 2-fach, 1 1/7' + 16/19'
      •   D, Düsseldorf-Oberkassel, Auferstehungskirche: Blues-Quarte 2-fach, 1 1/7' + 16/19' und Guarneri-Terz 1 13/19'
      •   D, Düsseldorf, Neanderkirche: Terzsept 2-fach, 1 3/5' + 8/15'
      •   D, Berlin, Epiphanienkirche: Aliquot 2-fach, 16/22' + 16/27'
      •   D, Kaufbeuren, Dreifaltigkeitskirche: Undezime 8/11' und Tredezime 8/13'
      •   S, Stockholm, Högalid Kyrka: Tritonus 1 9/23'


D, Düsseldorf-Oberkassel, Auferstehungskirche
Mehr über die verschiedenen Orgelregister inklusive Klangbeispielen steht hier; mehr zu Tonhöhen und Fußzahlen findet Ihr hier.




Die größten Spieltische:


USA, Atlantic City, Convention Hall
Den größten Spieltisch der Welt besitzt die Orgel der Convention Hall, Atlantic City (USA), die schon diverse Rekorde in anderen Disziplinen hält.
Er beinhaltet 7 Manuale (von denen die unteren statt des üblichen Umfangs von 5 Oktaven auf 7 Oktaven ausgebaut sind!), 1.235 Registerwippen sowie 7 Schwelltritte. Damit dürfte das Limit des von einer einzigen Person noch Beherrschbaren erreicht sein.

Nur acht Orgeln weltweit besitzen einen Spieltisch mit mehr als 5 Manualen:

•   7 Manuale:  USA, Atlantic City, Convention Hall (449 Ranks, 314 Register)
•   6 Manuale:  USA, Philadelphia, Macy's ("Wanamaker") Store (463 Ranks, 374 Register)
•   6 Manuale:  PL, Lichen, Basilika (222 Ranks, 154 Register)
•   6 Manuale:  D, Mainz, Dom (166 Ranks, 113 Register)
•   6 Manuale:  KOR, Seoul, Sejong Culture Center (160 Ranks, 96 Register)
•   6 Manuale:  D, Waldsassen, Stiftsbasilika (141 Ranks, 101 Register)
•   6 Manuale:  I, Palermo, Duomo Monreale (137 Ranks, 102 Register)
•   6 Manuale:  USA, Hurricane, Forrest Burdette Memorial UMC (43 Ranks, 27 Register + 346 digit.)

USA, Philadelphia, "Wanamaker" Store


D, Waldsassen, Stiftsbasilika

PL, Lichen, Basilika

USA, Hurricane, F.B.M. UMC

D, Mainz, Dom

I, Palermo, Duomo Monreale

Zur Weltausstellung 1929 baute Walcker im Palacio Nacional Montjuich (Barcelona, Spanien) eine große 5-manualige Orgel mit 168 Ranks, 121 Registern (+ 11 Tr.), die in den späten 60-er Jahren von der OESA (Organería Española, Madrid) umgebaut und auf 6 Manuale erweitert wurde. Diese Orgel ist aber nach Angaben von Michael Reckling (Spanien) inzwischen zur Unspielbarkeit verkommen und die letzte Disposition ist nicht mehr zu ermitteln, daher wird sie hier nicht näher beschrieben. Die ursprüngliche Walcker-Disposition kann hier eingesehen werden, ein Foto des OESA-Spieltisches hier.

Auch die große Barton-Theaterorgel im Chicago Stadium (USA) besaß einen 6-manualigen Spieltisch. Der Spieltisch wurde offenbar restauriert, die Orgel mit ihren 61 Ranks ist verschwunden. Hier sind die Links zu den Fotos des Spieltisches und zur (ehemaligen) Disposition dieser Orgel.

Der größte Spieltisch der Welt mit Registerzügen ("drawknob console") besitzt zwar "nur" 5 Manuale, hat aber 522 Registerzüge und insgesamt 796 Schalter (Registerzüge, Wipp- und und Druckschalter). Er gehört zur Orgel der Naval Academy Chapel in Annapolis (USA).

Ungeachtet dessen, dass es sowieso schon fraglich ist, ob ein Spieltisch mit mehr als 5 Manualen wirklich notwendig oder ergonomisch sinnvoll ist: In Amerika (wo sonst!? ;-) gibt es ein skurriles Museum, das "House on the Rock" in Spring Green (Wisconsin, USA), in dem Spieltische zu sehen sind, die selbst die oben gezeigten Giganten noch in den Schatten stellen:
Ein 8-manualiges Monstrum und ein dreigeteilter Spieltisch mit 3 mal 5, also insgesamt 15 Manualen!

Es gibt nur zwei nicht unwesentliche Probleme an der Sache:
  1. Die notwendige Arm-Spannweite, um an alle Tasten heran- zukommen, liegt bei mindestens 2,40 Metern d.h. der passende Organist wird wohl nie gefunden werden.

  2. Die Ungetüme funktionieren gar nicht: Die zugehörigen Orgelpfeifen sind nur Show und wenn überhaupt, dann dudeln höchstens ein paar digitale Register automatisch vor sich hin.
Als Kuriosum gehören sie aber auf jeden Fall in diese Rubrik, deshalb zwei Bilder, die einen Eindruck des Wahnsinns vermitteln.




Die größten Orgeln der Länder:

Die folgende zeigt die jeweils größten Orgeln von 49 Ländern, sortiert nach der Länderkennung (Abkürzung). Die Größe wurde – wie in der Orgeldatenbank auch – nach der Anzahl der Pfeifenreihen (Ranks) bewertet (Erläuterungen siehe Anmerkungen). Die mit è markierten Orgeln sind komplett mit Disposition und Fotos in hoher Auflösung online abrufbar, die anderen Orgeln nach Bestellung des Online-Vollzugriffs auf die Orgelseite.


A (Österreich)
169 Ranks

ARG (Argentinien)
92 Ranks

ARM (Armenien)
100 Ranks

AUS (Australien)
200 Ranks

B (Belgien)
125 Ranks

BLR (Weißrussland)
120 Ranks

BRA (Brasilien)
162 Ranks

CAN (Kanada)
127 Ranks

CH (Schweiz)
157 Ranks

CHI (China)
134 Ranks

CRO (Kroatien)
106 Ranks

CZ (Tschechien)
150 Ranks

è D (Deutschland)
326 Ranks

DK (Dänemark)
126 Ranks

E (Spanien)
184 Ranks

EST (Estland)
101 Ranks

F (Frankreich)
153 Ranks

FIN (Finnland)
130 Ranks

è GB (Großbritannien)
184 Ranks

GEO (Georgien)
83 Ranks

GR (Griechenland)
111 Ranks

H (Ungarn)
232 Ranks

I (Italien)
255 Ranks

ISL (Island)
102 Ranks

ISR (Israel)
59 Ranks

J (Japan)
151 Ranks

KAZ (Kasachstan)
110 Ranks

KOR (Korea)
160 Ranks

LUX (Luxemburg)
123 Ranks

LV (Lettland)
152 Ranks

MAL (Malaysia)
59 Ranks

MEX (Mexiko)
250 Ranks

MON (Monaco)
92 Ranks

N (Norwegen)
147 Ranks

NL (Niederlande)
150 Ranks

NZL (Neuseeland)
69 Ranks

PAL (Palästina)
71 Ranks

PL (Polen)
222 Ranks

RO (Rumänien)
102 Ranks

RUS (Russland)
163 Ranks

S (Schweden)
178 Ranks

SAF (Südafrika)
106 Ranks

SGP (Singapur)
88 Ranks

SK (Slowakei)
120 Ranks

SLO (Slowenien)
104 Ranks

SYR (Syrien)
54 Ranks

TW (Taiwan)
85 Ranks

UKR (Ukraine)
85 Ranks

è USA
463 Ranks

Die größte jemals komplett an einem Stück erbaute Orgel ist eines der letzten Werke von M.P. Möller und wurde 1990 für die Calvary Church in Charlotte (USA) gebaut.
Sie besitzt 205 Ranks, 133 Register (+ 30 Tr. + 39 Ext. + 7 Digit.) und 11.499 Pfeifen auf 5 Manualen und Pedal.




Die kleinsten Domorgeln Deutschlands:

Die kleinsten Domorgeln Deutschlands, aufsteigend nach Ranks (Pfeifenreihen) sortiert:
      •  D, Naumburg, Dom
         42 Ranks, 28 Register, 2 Manuale – erbaut 1983 von Eule, renoviert 2004 von Eule
      •  D, Güstrow, Dom
         44 Ranks, 37 Register, 3 Manuale – erbaut 1869 von Lütkemüller, restauriert 1986 durch Jehmlich
      •  D, Havelberg, Dom St. Marien
         47 Ranks, 32 Register, 2 Manuale – erbaut 1693 von Scholtze, umgebaut von Heise, Lütkemüller, restauriert 2002 durch A. Schuke (Potsdam)
      •  D, Augsburg, Dom St. Maria
         47 Ranks, 36 Register, 2 Manuale – erbaut 1904 von Maerz, restauriert 1984 durch Kubak
      •  D, Brandenburg, Dom St. Peter und Paul
         51 Ranks, 33 Register, 2 Manuale – erbaut 1725 von Joachim Wagner, restauriert 1999 durch A. Schuke (Potsdam)
      •  D, Worms, Kaiserdom St. Peter
         52 Ranks, 34 Register, 3 Manuale – erbaut 1985 von Klais
      •  D, Fritzlar, Dom St. Peter
         59 Ranks, 45 Register, 3 Manuale – erbaut 1929 von Klais, renoviert 1995 durch Klais
      •  D, Meißen, Dom
         61 Ranks, 40 Register, 3 Manuale – erbaut 1972 von Eule, renoviert 2000 durch Eule

D, Brandenburg (Dom)






Die größten Orgeln der Welt mit mechanischer Spieltraktur:

Hier werden alle Orgeln mit mindestens 150 Ranks (Pfeifenreihen) aufgeführt, die vollständig mit mechanischer Spieltraktur arbeiten:
      •  AUS, Sydney, Opera House
         200 Ranks, 130 Register, 5 Manuale, 10.154 Pfeifen – erbaut 1979 von Ronald Sharp, renoviert 2002 durch Pipe Organ Reconstructions
      •  D, Weingarten, Basilika
         169 Ranks, 63 Register, 4 Manuale, 6.631 Pfeifen – erbaut 1750 von Joseph Gabler, restauriert 1983 durch Kuhn
      •  D, Lübeck, St. Marien (Große Orgel)
         161 Ranks, 100 Register, 5 Manuale, 8.512 Pfeifen – erbaut 1968 von Kemper
      •  D, Ulm, Münster (Hauptorgel)
         161 Ranks, 98 Register, 5 Manuale, 8.900 Pfeifen – erbaut 1969 von Walcker, renoviert 1997 von Tzschöckel
      •  KOR, Seoul, Sejong Culture Center
         160 Ranks, 96 Register, 6 Manuale, 8.098 Pfeifen – erbaut 1978 von Karl Schuke (Berlin)
      •  LV, Liepaja (Liebau), Trisvienibas Baznica (Dreifaltigkeitsdom)
         152 Ranks, 131 Register, 4 Manuale – erbaut 1779 von Contius, erweitert 1885 von Grüneberg
      •  J, Tokyo, Nihon Hosoo Kyoka (NHK) Concert Hall
         151 Ranks, 90 Register, 5 Manuale – erbaut 1973 von Karl Schuke (Berlin)
      •  H, Budapest, Mûvészetek Palotája (Milleniumdom, Philharmonie)
         150 Ranks, 104 Register, 5 Manuale – erbaut 2005 von Mühleisen und Pécsi Orgonaépítõ
      •  NL, Rotterdam, Sint Laurenskerk (Hauptorgel)
         150 Ranks, 84 Register, 4 Manuale, 7.486 Pfeifen – erbaut 1973 von Marcussen

D, Lübeck, St. Marien (Hauptorgel)




Die größte Hausorgel der Welt:

 
Voilà, es ist angerichtet: 200 Ranks und 161 (echte!) Register mit insgesamt 11.200 Pfeifen, die von einem 5-manualigen Spieltisch gesteuert werden: Wir befinden uns (logischerweise ;-) in Amerika, genauer gesagt in Birmingham in Barry Norris Residence.

Welches Organistenherz schlägt bei diesem Anblick nicht höher?
Und wer hätte nicht auch gern eine Hausorgel, die größer ist als die meisten Domorgeln? Da stört es wenig, dass vom eigentlichen Wohnraum nicht mehr viel übrig ist, und die Akustik bei weitem nicht an die einer großen Kathedrale heranreicht...

Auch wenn die Größe dieser Hausorgel ein Häuchlein übertrieben erscheint: Das Tutti-Erlebnis beeindruckt gewiss und dabei ist wohl eines sicher: Herz- und Kreislaufschwache sollten sich von diesem Instrument fern halten!

Diese Orgel ist bei weitem die größte ihrer Art. Die nächstgrößten Hausorgeln existierten im frühen 20. Jahrhundert und wurden längst zerstört oder in Teilen verkauft:
    •   John Christie (GB, Glyndebourne) brachte es bis 1926 immerhin
        auf 120 Ranks / 107 Register, darunter 3 echte 32'-er, die auf-
        gerollt im Keller lagen!
    •   J.M. Bowstead (GB, Wimbledon) erweiterte seine Heimorgel bis
        1914 auf ca. 119 Ranks / 97 Register, davon 3 echte 32'-er.
        Vom 5-manualigen Spieltisch aus konnten insgesamt 6.500
        Pfeifen zum Klingen gebracht werden.
Näheres zu diesen beiden Orgeln steht unter diesem Link.




Ungewöhnliche Materialien:

Normalerweise bestehen Orgelpfeifen aus einer Metall-Legierung oder aus Holz. Bei einigen Orgeln hat man Versuche mit Bambus, Marmor und sogar Porzellan gemacht.

Die Pfeifenherstellung aus Porzellan bereitet besondere Schwierigkeiten, denn man muss nicht nur eine keramische Form für jede Pfeife bauen, sondern auch die Schwindung und mögliche Verformung der Porzellanmasse beim Trocknen und Brennen beherrschen. Dies hat man um 1730 und 1920 jeweils erfolglos versucht. Vor einigen Jahren gelang der Porzellan-Manufaktur Meissen in Zusammenarbeit mit Jehmlich Orgelbau (D, Dresden) die Herstellung und Intonation einer kompletten Pfeifenreihe aus Porzellan. Diese "Porzellanflöte 2" steht vorne im Prospekt (Bild unten).


D, Dresden, Jehmlich Porzellanorgel
Der spanische Orgelbauer Ivan Larrea Belod (Novelda) baute 2001 ein Orgelpositiv, das abgesehen von den Bälgen und Teilen der Spieltraktur komplett aus Marmor gefertigt ist. Alle Pfeifen des einzigen Registers – "Tapadillo 4" (= Gedackt) – bestehen aus Marmor, ebenso wie das Gehäuse und die Tasten. Das kleine Orgelpositiv hat das stattliche Gewicht von 250 kg und steht in einem Privathaus in Los Angeles (USA).
USA, Los Angeles, Privathaus
Abgesehen von den Horizontal-trompeten bestehen alle Pfeifen dieser Orgel aus Bambus. Der Erbauer, Fray Diego Cera – ein Augustinermönch, der 1795 aus Spanien als Pfarrer nach Las Piñas kam – legte die Bambus-rohre monatelang in Meerwasser ein und "imprägnierte" sie so, bevor er sie weiterverarbeitete und die Orgel 1821 vollendete. Orgelbau Klais (D, Bonn) reparierte und restaurierte 1975 die Bambusorgel.
PHI, Las Piñas,
Katholische Kirche




Das langsamste Orgelstück der Welt:

John Cage (USA, 1912-1992) schrieb im Jahre 1985 ein Stück für Klavier, das er 1987 für Orgel umschrieb mit dem Namen "ASLSP" – "As slow as possible" – "So langsam, wie möglich".

Eine Gruppe von Organisten, Künstlern, Orgelbauern, Theologen und Philosophen kam während eines Orgelsymposiums in Trossingen (D) auf die Idee, den Titel dieses Werkes wörtlich zu nehmen und das Stück über einen Gesamtzeitraum von mehr als 600 Jahren (!) aufzuführen.

Das einzig in Frage kommende Instrument war die Orgel. Für dieses Projekt wurde von der Werkstatt Romanus Seifert & Sohn (D, Kevelaer) eine Orgel angefertigt, die mit der Zeit und dem Projekt mitwächst. Der erste Ton erklang am 5. Februar 2003, die nächsten Klangwechsel werden am 5. November 2008 und 5. Februar 2009 stattfinden. Der Schlusston soll im Jahre 2639 erklingen.

Zu hören ist das ganze in der Burchardikirche in Halberstadt (D), deren Ursprung bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Mehr Informationen zu diesem wohl verrücktesten Orgelprojekt der Welt findet man auf der Homepage des John-Cage-Halberstadt-Orgelprojekts. Dort erfährt man auch die Öffnungszeiten.

Das nebenstehende Foto zeigt im Vordergrund die Orgel mit den Pfeifen, die für die bisherigen Töne notwendig waren (weitere werden bei Bedarf eingebaut) und im Hintergrund vor den Fenstern die Balganlage.